Eichhof in Wörme, ca. 150 Jahre alte Eichen

Eichhof in Wörme, ca. 150 Jahre alte Eichen

21. März 2021 ist Tag des Waldes

Der Wald ist für die meisten von uns ein Ort der Erholung und Entspannung. Eintauchen in die typische Atmosphäre, Vogelgezwitscher, ab und zu ein Reh und irgendwie auch immer etwas Mystik. Über dieses konkret erlebbare Entspannungsmoment hinaus hat der Wald aber auch viele Funktionen, die einen langfristigen Einfluss auf unser tägliches Leben haben. Hierzu zählen:

  • Naturschutz und Artenschutz: Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten
  • Bodenschutz: Erosionsschutz 
  • Klimaschutz: Lärmfilter, Staubfilter, CO2-Senkung, Hitzedämpfung
  • Hochwasserschutz: Schutz vor Überschwemmungen
  • Trinkwasser: Förderung der Trinkwasserqualität
  • Kulturgüter: Schutz von Kulturdenkmälern (Hügelgräbern) und traditionellen Wirtschaftsformen (z.B. Hutewald)
  • Holzproduktion: Bereitstellung hochwertiger Baumaterialien, CO2-Speicherung

Können die Wälder das heute und in Zukunft noch leisten? Der aktuelle, deutschlandweite Waldzustandsbericht vom Februar 2021 zeigt, dass der Wald massiv geschädigt ist. Die Ergebnisse gehören zu den bislang schlechtesten; noch nie waren so viele Bäume abgestorben. Seit drei Jahren haben Stürme, Borkenkäfer, Hitze- und Trockenperioden weitere umfangreiche Schäden in den Wäldern verursacht. Die Vitalitätsparameter aller Baumartengruppen mit Ausnahme der Eichen belegen eine Verschlechterung des Waldzustandes. Auch die letzten Ergebnisse der Waldzustandserhebung in Niedersachsen zeigen für 2018-2020 die höchsten Anteile an stark geschädigten und abgestorbenen Bäumen. Die mit Abstand höchsten Ausfallraten sind bei der Fichte aufgetreten. Strukturelle Störungen des Waldes in Form von Blößen und Freiflächen sind die Folge. Die Krise der Wälder ist unübersehbar und nicht überstanden. Folgeschäden durch den mehrjährigen Trockenstress werden vermutlich auch in den nächsten Jahren festzustellen sein bzw. durch weitere Trockenperioden noch zunehmen. Die Gründe hierfür liegen in:

  • Luftschadstoffen
  • schädliche Anreicherung der Böden mit Stickstoff
  • natürliche Einflüsse wie Trockenstress oder ausgeprägte Fruchtbildung
  • Insekten wie Borkenkäfer oder blattfressende Schmetterlingsraupen
  • krankheitserregende Pilze
  • die Veränderung unseres Klimas

Um diese dramatische Entwicklung aufzuhalten, ist ein kollektives Umdenken notwendig. Wir schließen uns daher der Forderung „Waldwende statt Waldsterben“ des BUND an. Deutschlands Wälder müssen naturnäher, strukturreicher und ökologisch wertvoller werden. Sie sollen besser zum Wasserrückhalt und zur Grundwasserneubildung beitragen und ihre Funktion als Klimaschützer wahrnehmen können. Bund und Länder müssen hier ihre Gemeinwohlaufgaben wahrnehmen und in ihrer Vorbildfunktion vorangehen.

Zur Stabilisation und dem Wiederaufbau unserer Waldökosysteme sind folgende Maßnahmen nötig:

  1. Umsetzung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen (national und international)
  2. Eine ökologisch verträgliche Bewirtschaftung der Wälder
  3. Festschreibung des Anteil der Naturwälder auf mindestens zehn Prozent der Waldfläche
  4. Ein langfristiger Waldumbau hin zu naturnahen Laubmischwälder, in denen einheimische Laubbäume und Naturverjüngung sowie die eventuell notwendige Einführung nicht-heimischer Arten (z. B. über eine „assisted migration“) eine zentrale Rolle spielen
  5. Eine waldfreundliche Gestaltung des Wildtiermanagements und der Jagd (Naturverjüngung muss ohne Schutzmassnahmen möglich sein)
  6. Schonende Behandlung von Waldflächen nach Extremereignissen
  7. Aufstockung von Forstpersonal und eine Stärkung der Digitalisierung der Forstwirtschaft (Wald 4.0)
  8. Wissenschaftliche Begleitung, die eine langfristige Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald untersucht
  9. Ausbau der Kompetenzen in Laubholzwirtschaft (u.a. Förderung der Forschung zur langlebigen stofflichen Verwendung von Laubholz)
  10. Reduzierung der Stickstoffemissionen (u. a. durch eine drastische Reduktion der landwirtschaftlichen Tierbestände)

In Niedersachsen haben die Landesforsten 10 % ihrer Fläche für eine natürliche Waldentwicklung („Urwälder von morgen“) ausgewiesen. Damit sind aber erst rund 6 % des niedersächsischen Waldes aufgewertet. Weitere Beiträge erwarten wir von den übrigen  öffentlichen Waldbesitzern. In Niedersachsen befinden sich laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen 700.000 ha Wald in der Hand von rund 60.000 Privatwaldbesitzern. Ihnen gehören damit 59 % des niedersächsischen Waldes. Diesen privaten Waldbesitzer*innen sollte für eine ökologische Waldwende eine finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt werden, wenn sie nachhaltig und nachweislich Leistungen für das Gemeinwohl erbringen.

Quellen:

Programm LÖWE+

Programm Natürliche Waldentwicklung in Niedersachsen

https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/europa-ist-so-trocken-wie-noch-nie-3571/

https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/waldwende-statt-waldsterben-neun-bund-forderungen-zu-deutschlands-waeldern-in-der-klimakrise/

https://www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/wald_holz_jagd/wald_und_forstwirtschaft/zustand-des-niedersaechsischen-waldes-waldschaeden-und-risiken-5181.html

https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/waldzustandserhebung.html

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